Von Les Riceys nach Étourvy (30. Mai 2013)

Trotz einer eher unruhigen Nacht werden wir heute erstmalig nach einem lärmigen Geräusch des Weckers wach, bleiben aber noch einige Zeit liegen. Irgendwann ist es dann doch an der Zeit, aufzustehen und sich für den Tag vorzubereiten. Wir bereiten uns ein karges Frühstück zu, das aus einem Baguette und einem scharf riechenden Weichkäse besteht. Um 8.30 Uhr sind wir schließlich soweit, dass wir den Schlüssel im Gemeindebüro abgeben und uns auf den Weg machen. Wir verlassen Les Riceys in Richtung Westen auf der der D17, die wir gemäß Führer nach wenigen Schritten nach links auf einem Grasweg verlassen sollen. Wir entschließen uns jedoch aufgrund der nach den Regenfällen schlechten Beschaffenheit der Wege auf der Straße zu bleiben, zumal wir dadurch noch ein paar Meter weg einsparen.

01Inzwischen hat es wieder leicht zu regnen begonnen und wir werfen uns die Regencapes  über. Die zum Glück wenig befahrene Landstraße ist recht wellig mit einigen An- und Abstiegen. Schließlich erreichen wir Bagneux-la-Fosse und machen an der verschlossenen Kirche eine erste kurze Pause. Es ist mit rund 12 Grad weiterhin zu kalt für die Jahreszeit, dazu weht ein mittlerer Wind und am Himmel sieht alles grau aus. Die Sonne ist heute gar nicht zu sehen. Zu unserem Glück hat es aufgehört zu regnen. Da ich friere, ziehe ich meine etwas dickere Sportjacke. Dann geht es weiter. Wir überwinden einen kleinen Hügel und sehen schon von weitem trotz Nebelschwaden einen kleinen See, der bei schönem Wetter zu einer Rast eingeladen hätte. So ziehen wir daran vorbei und gelangen nach Bragelogne, wo wir in einer Boulangerie noch ein Baguette kaufen. Hinter dem Örtchen geht es leicht aufwärts bis zur D82, der wir nach Villers-le-Bois folgen. Hier machen wir an einer überdachten Bushaltestelle unsere zweite Rast für heute und vertilgen Baguette und Salami.

Erneut widersetzen wir uns dem Vorschlag des Wanderführers, der uns durch eine Waldpassage leiten will. Wir entschließen uns wie heute Morgen, auf der Straße zu bleiben. Dieses Mal ist es ein kleiner Umweg, aber wir behalten unsere trockenen Füße. So erreichen wir Étourvy, ein 200-Seelen-Dorf von der entgegengesetzten Seite. Wir finden sehr schnell unsere Unterkunft und lassen uns im Hof des „Foyer rural de grand Secteur“ nieder. Es dauert nicht allzu lange, bis ein Mitarbeiter uns entdeckt. Er erledigt die Formalitäten und wir bezahlen unser Zimmer. Anschließend zeigt er uns das Zimmer, das „Pilgerrestaurant“ und öffnet für uns den kleinen Hofladen. Mit einer Einkaufsmöglichkeit haben wir in Étourvy nicht gerechnet. Dort können wir uns mit allem notwendigen für den nächsten Tag eindecken. Im Zimmer pflegen wir unsere Ausrüstung und uns selbst (herrlich: eine heiße Dusche!). Meine Füße sehen immer besser aus, die roten Flecken breiten sich aus. Dazu zieht es etwas in der rechten Hüfte.

Nach einer kurzen Erholung im Land der Träume gehen wir um 18.30 Uhr in das Nachbargebäude, in dem neben dem „Pilgerrestaurant“ noch eine große Küche und zwei Säle für Veranstaltungen untergebracht sind. In unserem Bereich finden wir alles, was wir benötigen: Mikrowelle, Kaffeemaschine, Tee, Kaffee… Das Abendessen wartet bereits im Kühlschrank auf uns: Salatteller (Rote Beete, Tomaten, gekochte Eier), Schweinebraten mit Butterreis und als Dessert Apfelkuchen. Eine Karaffe Wein ist ebenfalls für uns vorbereitet. Im für uns bereitgelegten Gästebuch finden wir einen Eintrag von Christian aus Bamberg, mit dem wir im vergangenen Jahr bis Clairvaux gepilgert sind. Er war genau ein Jahr vor uns in dieser Herberge. So verbringen wir in dem gewölbeartigen Raum einen schönen Abend, den wir gegen 21.00 Uhr mit der Bettruhe beenden.