Von Engensen nach Altwarmbüchen (8. Oktober 2012)

In den nächsten zwei Wochen halte ich mich für einen Lehrgang in Hannover auf. Im Regelfall soll am Nachmittag bereits gegen 16:00 Uhr Ausbildungsende sein. Die nachfolgende Zeit möchte ich nutzen, auf der durch Hannover führende „Via Scandinavica“ zu pilgern. Aufgrund der immer früher hereinbrechenden Dunkelheit werde ich die vorgegebenen Etappen ungefähr halbieren, damit es nicht zu spät wird, um wieder zu meiner Unterkunft zurückzukehren. Als Startort für heute wähle ich das nördlich von Hannover gelegene Dörfchen Engensen, heute ein Stadtteil von Burgwedel. Dorthin gelange ich mit der Stadtbahn, der S-Bahn und dem Bus. Mitten in Engensen steige ich aus und befinde mich an einer im 12. Jahrhundert aus Raseneisenstein und Findlingen errichteten Kapelle. Direkt gegenüber kaufe ich in einem Bauernladen für vier Euro zwei Äpfel und eine Jagdwurst für unterwegs. Da in dem Laden auch eine Poststation untergebracht ist, lasse ich mir in meinen Pilgerausweis einen Tagesstempel geben.

Dann geht es los, zunächst über die „Thönser Straße“ aus dem Dorf raus. Hier entdecke ich die ersten Muschelwegweiser. Kurz darauf zweigt ein Weg nach links ab, dem ich folge. Es handelt sich um den historischen Postweg von Celle nach Hannover, auf dem ich heute und auch morgen ständig unterwegs sein werde. Auf der rechten Seite lasse ich einen Baggersee liegen, auf der linken Seite passiere ich ein gelb blühendes Rapsfeld. Hier treffe ich auch auf einige Pferde. Allmählich bekomme ich Hunger und ich verzehre meine Einkäufe. Ich bleibe weiterhin auf dem eingeschlagenen Weg, der mich beinahe schnurgeradeaus in südwestliche Richtung leitet. Kurz hinter einer Gärtnerei in der Nähe von Neuwarmbüchen überquere ich die K 115 und bewege mich in einem weiten Linksbogen auf ein Waldstück zu. Hin und wieder weisen mir neben den Muscheln auch gelbe Pfeile den Weg. Allerdings sind die Markierungen nur sehr spärlich angebracht, nur da, wo sie notwendig erscheinen. 

Von dem asphaltierten Weg biege ich an einer Schranke nach rechts in den Wald. Es wird dunkler, nicht nur wegen des Blätterdaches über mir. Inzwischen wandele ich nur noch auf einem schmalen Pfad, dessen Untergrund plötzlich gepflastert ist. Vielleicht handelt es sich um ein Überbleibsel der historischen Route. Am Ende des Waldes gehe ich nach rechts auf eine Brücke zu, die über die A 7 führt. Dahinter heißt die mit den gleichen Steinen wie vorhin gepflasterte Straße „Alter Postweg“. Ich laufe am „Parksee Lohne“ mit Campingplatz, Minigolf-Anlage und Kiosk vorbei, folge weiterhin dem Verlauf der Straße. Rechter Hand beobachte ich, wie die Sonne in einem farbenfrohen Spektakel untergeht. Und dann ich stehe in völliger Dunkelheit da, zum Glück gibt es hier keinen Autoverkehr.

Letztendlich erreiche ich den „Blocksberg“ in Altwarmbüchen, und hier beginnen meine Orientierungsprobleme. Mein Führer mit seinen eigentlich ganz guten handgezeichneten Karten ist etwas undeutlich und ohne konkrete Angaben, ob es nach rechts oder links weitergeht. Die Dunkelheit hilft mir da auch nicht wirklich weiter. Ich durchlaufe nach einer Weile ein langgezogenes Gewerbegebiet und lande schließlich am Rathaus, wo ich aber auch keinen Orientierungspunkt finde. Also fasse ich den Entschluss, mit der Stadtbahn zu meiner Unterkunft zu fahren. Am Hauptbahnhof kaufe ich mir vorher noch eine Wanderkarte, die mir hoffentlich in den nächsten Tagen weiterhelfen wird. Morgen werde ich hier bei Tageslicht und besserer Ausrüstung wieder einsteigen.