Von Bingen nach Gau-Algesheim (9. Mai 2011)

Wir treffen uns am Montagmorgen vor der Dienststelle der evangelischen Militärseelsorge Koblenz. Wir, das sind Michael und ich sowie unser Militärdekan Karsten und sein Pfarrhelfer Holger. Es ist fast 8:30 Uhr, gleich fährt uns Karsten nach Mainz zum dortigen evangelischen Militärpfarramt, Holger wird erst morgen dazukommen. Charly, einen weiteren Teilnehmer aus Koblenz, treffen wir erst in der Landeshauptstadt. Heute beginnt unsere diesjährige Pilgerauszeit. Es ist vorgesehen, auf dem Jakobsweg Rheinhessen von Bingen nach Worms zu pilgern. Der Weg ist mir bereits aus dem letzten Jahr bekannt, wir werden aber eine Alternativroute gehen.

Eine gute Stunde später erreichen wir Mainz und werden dort schon erwartet. Hier lernen wir unsere Mitpilger kennen, Joachim, Ralf, Michael und Jörg, dazu kommen noch Militärpfarrer Alexander und sein Pfarrhelfer Jörg (B.). Die meisten kenne ich bereits aus den Vorjahren. Zum Beginn der viertägigen Pilgerwanderung setzen wir uns mit den anderen Teilnehmern zusammen und genießen Kaffee und belegte Brötchen. Nachdem alle satt sind, ergreift Karsten mit ein paar einstimmenden Gedanken das Wort. Er beschreibt ein Bild von Jesus, dem guten Hirten, der sich fürsorglich um seine ihm anvertrauten Schafe kümmert und auch uns auf unserem Weg nicht im Stich lässt. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Lied. Dann heißt es, das Gepäck sowie mitzunehmende Verpflegung und Getränke für unterwegs zu verladen. Unser Ziel ist zunächst die Burg Klopp in Bingen. Dort beginnt der Jakobsweg Rheinhessen. Während die anderen ihre Ausrüstung zurechtmachen und Getränke einpacken, hole ich zusammen mit Jörg am Turm der Burg den ersten Pilgerstempel. Ich habe, wie im vergangenen Jahr, für jeden Teilnehmer einen meiner Pilgerausweise dabei. Dann geht es endlich los. Wir verabschieden uns noch von Karsten, der noch einmal nach Koblenz zurück muss und erst morgen Mittag mit Holger nachkommen wird. Wir laufen auf den Rochusberg und besichtigen dort die Rochuskapelle. Hinter der Kapelle gehen wir noch eine kleine Runde bis zur „Goethe-Ruhe“, wo wir einen herrlichen Blick auf Rüdesheim erhalten. Ein paar Meter weiter machen wir noch ein Gruppenbild per Selbstauslöser vor der traumhaften Kulisse des Rheintals.

Dann geht es weiter durch die Weinberge hindurch bis nach Ockenheim. An einer Informationstafel über den Jakobsweg am Ortseingang legen wir eine erste Rast ein. Es ist ganz schön warm geworden und der Schweiß rinnt am Körper hinunter. Da tut ein kräftiger Schluck aus der Flasche gut. In Ockenheim besuchen wir die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul, in der ich auch eine Darstellung von Jakobus entdecke. Vor einiger Zeit hatte ich per eMail Kontakt zum Weingut Feser hier im Ort. Dort bekommt man auch einen Pilgerstempel. Fast laufen wir daran vorbei; ein rechtzeitiger Blick auf meine Übersicht der Stempelstellen schafft Gewissheit: zehn Meter zurück und auf die andere Straßenseite. Dort prangt an der Wand ein eindeutiger Hinweis, hier es gibt sogar Jakobuswein. Jörg und ich stürmen die Vinothek und bekommen auch sofort den Stempel vorgelegt. Während wir diesen in die Pilgerausweise drücken, kommen nach und nach auch die anderen in die Stube. Kurzfristig entschließen wir uns, einen kleinen Schoppen zu uns zu nehmen. Frau Feser hat zwar nur eine halbe Stunde Zeit, schenkt uns aber gerne Weinschorle oder den roten Pilgerwein ein. Bald ergibt sich ein intensives Gespräch zu den Weinen des Gutes, den Anbauflächen und den Rebsorten. Vor allem Joachim lenkt mit seinem guten Fachwissen geschickt das Gespräch und so nehmen wir, doch deutlich über die verfügbare Zeit hinaus, reichlich Neues über das Thema Wein mit auf den Weg.

Hinter Ockenheim steht uns ein mehr oder weniger beschwerlicher Aufstieg zum Jakobsberg bevor. Oben angelangt schauen wir uns zunächst die Vierzehn-Nothelfer-Kapelle an und verbleiben einige Minuten darin. Auf einem Parkplatz hinter der Klosteranlage erwartet uns bereits Jörg (B.) mit Kaffee und Kuchen. Gerne nutzen wir die Gelegenheit, leere Flaschen gegen gefüllte einzutauschen. Während die anderen sich noch etwas erholen, gehe ich mit Jörg zur Klosterpforte zurück, um dort einen weiteren Stempel zu holen. Dann geht es nach Laurenziberg. Vor der Kapelle teilt sich der Weg, wir wählen die Ortsschleife nach Gau-Algesheim. Dort werden wir später unsere erste Unterkunft beziehen. Leider ist die Kapelle verschlossen und so folgen wir den Markierungen über einen uralten Pilgerpfad bis zu einem Heiligenhäuschen in Gau-Algesheim. Obwohl wir heute nur rund drei Stunden auf den Beinen waren, freuen wir uns auf die Dusche. Ich beziehe mit Jörg ein Zimmer. Wir werden zusammen im Juni von Merzkirchen im Saargau bis nach Toul in Frankreich pilgern. Nachdem die Schuhe und die Füße versorgt sind, wasche ich meine Kleidung im Waschbecken und hänge sie zum Trocknen auf. Ich habe recht wenig Gepäck dabei, im Prinzip alles, was ich auch nach Frankreich mitnehmen werde. Diese vier Tage sind ein guter Test dafür. Mit rund 8,5 Kilogramm schleppe ich nicht zuviel in meinem Rucksack mit. Bevor wir uns mit der Gruppe zum Abendessen treffen, machen wir noch ein kurzes Nickerchen, das tut gut! Vor dem Essen setzen wir uns noch vor dem Fahrradmuseum zu einer Abendandacht zusammen. Alexander beschreibt dabei den freundlichen Jesus aus der Ockenheimer Kirche, einer eher seltenen Darstellung. Nach einem Lied, einem Psalm und dem „Vater unser“ gehen wir in ein naheliegendes Restaurant und essen dort. Um 22:30 Uhr liegen wir im Bett und erwarten den nächsten Tag.