Von Wörrstadt nach Dittelsheim-Heßloch (21. Oktober 2010)

Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück fahren wir gegen 8.30 Uhr von Bad Kreuznach nach Alzey. Dort stellen wir das Auto auf einem Park-and-Ride-Platz ab, das kostet heute nur 1,50 Euro für den Tag. Mit dem Zug fahren wir nach Wörrstadt und beginnen am Bahnhof unsere nächste Etappe. Zuerst füllen wir im nahe gelegenen Supermarkt ein paar Vorräte auf, bevor wir dem markierten Weg ins Zentrum folgen. Dabei laufen wir unter anderem am Schmiedbrunnen vorbei und gelangen in die „Pariser Straße“. Hier müssen wir vom Weg abweichen und anstatt nach rechts zunächst nach links abbiegen. Dort erreichen wir nach ein paar Minuten die evangelische und direkt daneben die katholische Pfarrkirche, beide sind natürlich verschlossen. Am katholischen Pfarrhaus befindet sich neben einem Schaukasten ein Behälter für den Pilgerstempel. Leider hat man sich hier keine Mühe gemacht und nur einen einfachen Stempel hinterlegt, bestehend aus zwei Zeilen Text.

Wir verlassen daraufhin Wörrstadt über die „Pariser Straße“, die in die Bundesstraße 420 übergeht. Gegen das hohe Verkehrsaufkommen scheinen sich die Bürger zu wehren, viele Häuser sind mit entsprechenden Transparenten verziert. Es geht weiter über einen Fahrradweg, bis wir dann schließlich die stark befahrene Bundesstraße überqueren müssen. Der Jakobsweg findet seine Fortsetzung einmal mehr auf einem betonierten Wirtschaftsweg. An dessen vermeintlichem Ende befinden sich fünf Windkraftanlagen, darunter wird gerade ein Klettergarten errichtet. Wir lassen rechts eine großflächige Photovoltaikanlage liegen und stehen bald vor einer Autobahnüberführung. Ein Blick in Pilgerführer und Wanderkarte zeigt uns, dass wir zu weit gelaufen sind. Also müssen wir das Ganze wieder zurückgehen. An einer Abzweigung stehen auf den Markierungen einige Baucontainer und Gerätschaften. Hier hätten wir abbiegen müssen. Das hat uns jetzt zwei zusätzliche Kilometer eingebracht.

Auf dem frisch asphaltierten Weg geht es nun ein gutes Stück geradeaus. Dabei kommt uns bei eisigen Temperaturen und starken Windböen ein Läufer in kurzer Bekleidung entgegen. Da fröstelt es uns beim Anblick noch mehr. Schließlich kommen wir in den Weinort Spiesheim und erhalten an der katholischen Kirche einen weiteren Stempel. Die Kirche können wir, wie immer, nicht besuchen, sie ist verschlossen. Nach einer Dorfrunde passieren wir den gepflegt aussehenden Kunstrasenplatz mit Laufbahn und pilgern durch eine Kleingartenkolonie. Etwas weiter nutzen wir die Unterführung der Autobahn 61 und gehen über Wiesenwege durch die Weinberge. Dort bietet sich uns zu beiden Seiten die Möglichkeit, verschiedene Rebsorten zu kosten. Wir kreuzen die Landesstraße 414 und werden kurz darauf von einem freundlichen Landwirt angesprochen, der sein Feld mit schwerem Gerät bearbeitet. Wir unterhalten uns kurz über den Jakobsweg und verabschieden uns dann voneinander. Wenig später sind wir bereits in Biebelnheim und werden mitten durch einen Garten geleitet. Zuvor müssen wir eine kleine Treppe hinabsteigen, an deren Geländer eine Muschel aus Metall angebracht ist. Im Weingut Fluhr erhalten wir einen weiteren Stempel für den Pilgerausweis, der dafür eigentlich viel zu groß ist. Es ist schon überflüssig zu erwähnen, dass sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche nicht besichtigt werden können.

Da wir keine Rastmöglichkeit finden, genießen wir in einem Seitenweg an einem Gartenzaun ein paar Happen aus unseren Rücksäcken, die wir am Zaun aufhängen. Es gibt Brot, Käse, Salami und Obst. Wir folgen nun dem Verlauf eines Baches. Irgendwann wird es uns unheimlich, lange gab es keine Muschel mehr zur Orientierung. Endlich erreichen wir das Ende des Weges. Es gibt nur die Möglichkeiten rechts oder links. Nach links weist uns dann doch ein etwas versteckter Pilgerstein die Richtung. Dort zeigen uns zwei Damen im Nordic Walking-Schritt, wie schnell sie sein können. An der nächsten Kreuzung trennen sich aber unsere Wege, wir gehen erneut nach links. Das Tempo der beiden Damen wird danach erkennbar langsamer. Dafür haben wir nun das Vergnügen, den Homberg zu erklimmen, ein recht steiles Stück. Christian eilt uns hier voraus. Oben angekommen, erblicken wir bereits Framersheim am Horizont. Doch der Weg bis dahin scheint sich noch ganz schön zu ziehen. Zum Glück geht es stetig abwärts bis zur Landestraße 406, die wir überqueren müssen.

Wir befinden uns hier schon im Ort, müssen aber bis zum Zentrum noch ein gutes Stück weiterlaufen. An der evangelischen Kirche hängt wieder ein Kasten mit einem Stempel darin. Und oh Wunder, die Kirche ist offen! Das lassen wir uns nicht nehmen und schauen sie uns auch von innen an. Im Gästebuch hinterlassen wir meinen eigenen Pilgerstempel und ein paar Zeilen. Auch andere Pilger haben sich dort eingetragen und waren froh, endlich einmal eine Kirche anzutreffen, die nicht verschlossen ist. Die nur wenige Schritte entfernte katholische Kirche ist allerdings wieder nicht zugänglich, den im Pilgerführer vermerkten Stempel finden wir ebenso nicht. Hinter Framersheim laufen wir weiter auf dem „Wormser Weg“, der zum Teil auch als Weinlehrpfad ausgewiesen ist. Und es geht wieder steil aufwärts auf den Hornberg. Auf diesem befinden sich unzählige Windenergieanlagen, wir haben ständig das Sausen der Rotoren in den Ohren. Den nächsten Abschnitt gehen wir auf holprigem Wiesenuntergrund und erobern den Kloppberg. Dort sammelt ein Ehepaar auf einem abgeernteten Acker liegen gebliebene Kartoffeln ein. Dann stehen wir etwas ratlos in der Landschaft, es sind keine Wegweiser zu finden. Der Weg knickt in einen kleinen Wald ab, die Wanderkarte ist da in unseren Augen eindeutig. Wir stoßen auf das Turmlokal, finden dort eine Muschel und laufen bergab am Weinkastell vorbei ins Tal. Wir sind also richtig, folgen einer schlechten Straße und einem holprigen, stark abfallenden Wiesenweg nach Dittelsheim-Heßloch. Direkt an der evangelischen Kirche, die durch ihren markanten Turm auffällt, endet unsere heutige Etappe.

An der Bushaltestelle warten wir noch einige Minuten, dann kommt der Bus, der uns nach Gau-Odernheim bringen soll. Ab da müssen wir in einen anderen Bus nach Alzey umsteigen. Der junge Busfahrer meint es gut mit uns und verkauft uns ein 24-Stunden-Gruppenticket, das nur zehn Cent mehr kostet als die Einzelfahrscheine. Er meint, dass wir damit sogar morgen wieder von Worms nach Dittelsheim fahren könnten. Da wir als einzige Fahrgäste verbleiben, gibt er uns über die Lautsprecheranlage noch ein paar Tipps. Ich setze mich zu ihm nach vorne und unterhalte mich mit ihm. Sein Vater sei bereits in Santiago gewesen, allerdings sei er in die andere Richtung an der Küste entlanggelaufen. Nach einer kurzen Pause sagt er mir, dass er noch tanken müsse und in Alzey sei in der Nähe des Bahnhofes eine günstige Tankstelle. Er würde uns bis dahin mitnehmen und am Bahnhof herauslassen. Ich bin völlig überrascht und auch sehr dankbar. Das erspart uns doch glatt eine ganze Stunde Zeit. Da muss Jakobus seine Finger im Spiel haben. Wir steigen dann gut gelaunt am Alzeyer Bahnhof aus und bedanken uns ganz herzlich bei unserem Chauffeur für die Privatfahrt. Wir verstauen die Rucksäcke im Auto und wechseln die Schuhe, dann geht es auf die Autobahn nach Worms. Dort bekommen wir in der Jugendherberge ein Zimmer im zweiten Stock mit direktem und freiem Blick auf den Dom St. Peter, klasse! Da wir alle müde sind, essen wir eine Kleinigkeit im Bistro der Jugendherberge und beenden den Tag.