Unterwegs auf Jakobswegen in Deutschland

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Start ...auf dem Rhein-Camino Von Kamp-Bornhofen nach St. Goarshausen (11. August 2010)

Von Kamp-Bornhofen nach St. Goarshausen (11. August 2010)

Für die letzte Woche der Sommerferien in Rheinland-Pfalz haben mein Sohn Christian und ich uns noch eine Etappe vorgenommen. Es geht heute von Kamp-Bornhofen nach St. Goarshausen. Unser Zug fährt um 7.00 Uhr ab dem Koblenzer Hauptbahnhof. Nachdem wir unsere Fahrkarten am Automaten gelöst haben, begeben wir uns auf den im Fahrplan angegebenen Bahnsteig. Dort sind wir jedoch überrascht, dass weder ein Zug auf uns wartet noch dass die Anzeigetafel auf die Abfahrt hinweist. Zum Glück ertönt in dem Moment der größten Ratlosigkeit eine blechern klingende Durchsage per Lautsprecher. Wir werden informiert, dass wegen Bauarbeiten keine Züge zwischen Koblenz und Wiesbaden pendeln, dafür aber ein Schienenersatzverkehr mittels Bus eingerichtet ist. Wir verlassen daraufhin eilig den Bahnhof in Richtung Bussteige und finden rasch unseren Bus.

Abzweig zu den Burgen Sterrenberg und Liebenstein.Nach wenigen Minuten geht die Reise los, eine gute halbe Stunde später erreichen wir unseren Startort Kamp-Bornhofen und werden auf der Höhe der katholischen Pfarrkirche abgesetzt. Unser Weg führt uns zunächst entlang der Bundesstrasse 42 parallel zum Rhein in Richtung Süden zum Wallfahrtskloster. Die dortige Kirche ist immer noch eingerüstet und vor allem leider verschlossen, sodass wir direkt weiterlaufen müssen. Hinter dem Wallfahrtsbezirk pilgern wir entlang der Loreley-Burgen-Strasse auf einem schmalen Bürgersteig. Dann müssen wir die Seite wechseln und biegen nach rechts ab in eine steil ansteigende Straße, die direkt zu den Burgen Sterrenberg und Liebenstein führt. Wir lassen erstere rechts des Weges liegen und begeben uns zur Burg Liebenstein, deren Ruine heute ein kleines Hotel mit Außenrestauration beherbergt. Evangelische Kirche in Lykershausen.Von hier oben hat man einen tollen Ausblick auf das Rheintal. Allerdings ist das Wetter heute nicht so überragend sommerlich, schwere graue Wolken lassen die Sonne nicht zur Geltung kommen.

Wir laufen jetzt stetig bergauf durch teilweise eingezäuntes Gebiet, das man nur durch stählerne Drehtore betreten und verlassen kann. Hier an den Hängen im Bereich der beiden Burgen läuft ein Vorhaben „Nachhaltige Entwicklung xerothermer Hanglagen“. Dort weiden auf 60 Hektar Fläche Burenziegen und Exmoorponys, allerdings sehen wir nicht ein Tier. Erst als wir alle Höhenmeter erklommen haben, entdecken wir vor uns ein Gatter mit zwei Ponys und zwei Fohlen darin. Wir befinden uns nun auf den Rheinhöhen, haben fast freien Blick auf die Hochebenen auf der anderen Rheinseite. Blick auf Dahlheim mit der katholischen Pfarrkirche St. Jakob. Der Camino folgt nun dem Waldrand und schon bald tauchen am Horizont die ersten Häuser von dem Dörfchen Lykershausen auf. Einige Hinweisschilder kündigen eine Straußwirtschaft an, die aber zu der aktuellen frühen Uhrzeit noch nicht geöffnet hat. Auch die evangelische Dorfkirche ist verschlossen, sodass wir zügig weiter gehen.

Immer wieder muss ich einen Blick in die Wanderkarte werfen, da die Wegemarkierungen des Rhein-Camino mehr als spärlich sind. Alle paar Kilometer hat man das Glück, einer gelben Muschel auf blauem Grund zu folgen. Hinter Lykershausen verlassen wir den markierten Weg, da wir noch der Jakobskirche in Dahlheim einen Besuch abstatten wollen. Hierzu gehen wir am Friedhof entlang und folgen einem Feldweg am Waldrand, der langsam abwärts führt. Schon sehr bald sehen wir im vor uns liegenden Tal das Örtchen. Die Jakobskirche thront mitten im Ort auf einer Anhöhe. Am Ende des Feldweges biegen wir nach links auf eine recht unübersichtliche Kreisstraße. Der örtliche, äußerst gepflegt aussehende Kunstrasensportplatz begrüßt uns, wir befinden Blick ins Tal auf Wellmich und St. Goar.uns in der Jakobstrasse und müssen nun eine steile Gasse aufwärts laufen. Nur noch ein paar Treppenstufen trennen uns vom Portal. Die Kirche ist geöffnet und wir besichtigen sie in den nächsten Minuten. Rechts neben dem Chor ist eine moderne Statue des heiligen Jakobus angebracht.

Anschließend erhalten wir im Pfarrbüro noch einen Stempel der katholischen Pfarrgemeinde. Eine Einwohnerin gibt uns noch auf Nachfrage einen Hinweis auf eine Metzgerei, die wir als nächstes aufsuchen. Dort kaufen wir ein gutes Stück frische Fleischwurst und lassen uns diese auf den nächsten Metern schmecken. Wir verlassen Dahlheim auf dem gleichen Weg wie auf dem Hinweg und haben nun ein längeres Stück an der schmalen Kreisstraße vor uns. Glücklicherweise ist die Straße nur sehr wenig befahren, sodass wir unbeschadet in Prath ankommen. Hier werden wir an der ersten Kreuzung von einem Muschelwegweiser in Empfang genommen, wir befinden uns also wieder auf dem Camino. Wir duchqueren das Dorf und sind schon bald unterwegs in Richtung Blick auf St. Goar mit Burg Rheinfels. Wellmich. Ein wie mit dem Lineal gezogener Asphaltweg geleitet uns in ein Waldstück. Währenddessen erkläre ich Christian, wie man anhand einer Wanderkarte seinen Standort feststellen und sich orientieren kann. Er hat das auch wohl recht schnell verstanden und an einer markanten Waldkante darf er sich selbst einmal versuchen. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis, er hat prompt unseren Standort ermitteln können.

Bald werden wir in Wellmich sein, unserem nächsten Zwischenziel. Wir gehen auf einem Waldweg in Serpentinen bergab. Am Wegesrand finden wir in großer Menge Speisepilze, doch leider haben wir keinen geeigneten Behälter dabei, um sie mitzunehmen. Schade, das hätte für den Abend eine leckere Mahlzeit werden können. So haben wir nur die Möglichkeit, bereits reife Hollunder- oder Brombeeren zu geniessen. Wir probieren zwar auch einmal einen Apfel, aber der war uns noch zu sauer. In einer Haarnadelkurve haben wir einen traumhaften Blick durch die Bäume auf Wellmich, die Burg Maus und in der Ferne sogar auf St. Goar. In Wellmich weichen wir wieder vom Camino ab, denn Vater und Sohn kurz vor dem Tagesziel. wir möchten uns die katholische Pfarrkirche St. Martin mit ihren schönen Wandmalereien ansehen. Anschließend verlassen wir Wellmich über die Obergasse und biegen wenig später auf den Zubringerweg zur Burg Maus ab. Cirka zwanzig Minuten und erneut einigen Höhenmetern später stehen wir vor dem Burgtor. Dieses ist jedoch nur für Besucher der dort ansässigen Falknerei passierbar. Also beschließen wir, hier unsere Mittagsrast einzulegen. Es gibt Obst und spanische Salami.

Die letzten Meter führen über schmale Pfade steil abwärts durch die Weinberge.Nach der Pause mühen wir uns wieder aufwärts auf die Rheinhöhen. Nun begegnen uns ständig einzelne Wanderer oder auch Gruppen, das haben wir bei unseren bisherigen Touren noch nicht so erlebt. Wir bewegen uns jetzt an der Kante zum Rheintal, wobei uns aber der Blick ins Tal selbst durch Büsche und Bäume verwehrt bleibt. Hier gibt es saftig grüne Wiesen, die einen krassen Gegensatz zu dem grauen Firmament darstellen. Gelangweilt schauen uns darauf grasenden Rinder an, als wären sie in einer anderen Welt zu Hause. Allmählich lichten sich auch die grünen Sichtsperren und wir haben freien Blick auf St. Goar und die Burg Rheinfels. Wir laufen jetzt durch Weinberge und erreichen in der Gemarkung Nochern eine gut gepflegte Schutzhütte. In dem ausliegenden Wanderbuch tragen wir uns natürlich auch ein, leider habe ich meinen Stempel vergessen, der hätte sich hier gut gemacht. Ein wenig weiter haben wir die Wahl, den eher "einfacheren" Weg durch einen Weinberg oder über einen Klettersteig zu gehen. Wir folgen der Empfehlung eines Hinweisschildes und lassen den Klettersteig sein, der nur mit entsprechender Ausrüstung genutzt werden soll. Also geht es trotzdem steil über einen sehr schmalen Pfad abwärts direkt an den Ortseingang von St. Goarshausen.

Blick von der Rheinfähre auf St. Goarshausen mit Burg Katz. Zu unserer Überraschung befindet sich direkt vor uns ein Supermarkt, bei dem wir unsere Getränkevorräte auffüllen, auch wenn wir uns bereits am Ziel befinden. Eine Kleinigkeit zum Essen gönnen wir uns auch, bevor wir uns auf den Weg zur Rheinfähre machen. Da ab St. Goarshausen kein Zug nach Koblenz fährt, haben wir beschlossen, mit der Fähre überzusetzen und ab St. Goar nach Hause zu fahren. Während Christian sich auf einer Bank an der Anlegestelle ausruht, besuche ich noch kurz die evangelische und die katholische Kirche, die sich beide direkt auf der anderen Straßenseite befinden. Nach meiner Rückkehr zum Anleger ist die Fähre auch gerade wieder zurück und wir packen unsere Sachen zusammen. Die Überfahrt ist recht preiswert und dauert nur ein paar Minuten. Dabei genießen wir den Blick zurück auf St. Goarshausen und Burg Katz. Es folgt ein kurzer Fußmarsch durch die mit Touristen überfüllte Innenstadt bis zum Bahnhof. Kurz darauf sitzen wir im Zug und lassen uns nach Koblenz fahren. Dort werden wir bereits von meiner Frau erwartet. Wir hatten wieder einen schönen Pilgertag, wurden von Regen verschont und haben gesund unser Ziel erreicht.