Von Klüsserath nach Trier (6. Juli 2010)
Um kurz nach 8.00 Uhr gehe ich zum Frühstück. Ich esse zwei Brötchen und einen Joghurt. Nachdem ich meine beiden Wasserflaschen aufgefüllt und den Rucksack gepackt habe, bezahle ich und mache mich auf den Weg. Es geht natürlich zunächst wieder einmal bergauf, entlang eines Kreuzweges bis zu einer Marienkapelle. Von hier hat man zudem einen tollen Ausblick auf Klüsserath und die Weinlage „Bruderschaft“. Direkt danach folgt ein sehr steiles Stück, das den ersten Schweiß laufen lässt. Ich umrunde nun zwei Täler, mit den üblichen Höhenunterschieden. Wenig später passiere ich das Zitronenkrämerkreuz. Hier soll im Jahre 1687 ein Händler einen gewaltsamen Tod erlitten haben. Nun geht es etwas von der Mosel weg, die Weinberge werden von Getreidefeldern abgelöst. Auf dem Hummelsberg treffe ich auf das Landwehrkreuz, das von einer Schafherde umringt ist. Durch den Wald geht es nun beständig ergab. Zwischen den Bäumen lugt hin und wieder schon mal die Autobahn A1 in Richtung Saarbrücken durch.
Kurz darauf befinde ich mich wieder mitten in den Weinbergen. Auf der anderen Moselseite ist Longuich zu sehen, weiter rechts die Autobahnbrücke über die Mosel und die ersten Häuser von Schweich. Es geht immer mehr abwärts, ich unterquere die A1 und bin wenige Ecken weiter mitten im Ort, stehe vor der katholischen Pfarrkirche St. Martin. Im naheliegenden Pfarramt erhalte ich auch einen Pilgerstempel. Nachdem ich in einem Supermarkt zum einen meine Getränkevorräte auffülle und etwas Obst kaufe, begebe ich mich auf die letzte Teiletappe. Ich muss durch halb Schweich laufen, vorbei an der ehemaligen Synagoge und bis zum Bahnhof, der deutlich außerhalb liegt. Jetzt zieht sich auch wieder der Himmel etwas zu, doch es wird trocken bleiben. Der Camino geht nun weiter durch den Wald. Teilweise sind die Wege durch umgestürzte Bäume versperrt, hier ist klettern angesagt. Am Trierer Forsthaus mache ich ein kurze Trinkpause. Mein linker Fuß macht mir momentan ein paar Sorgen. Unter dem Ballen zieht es inzwischen bei jedem Schritt
schmerzhaft. Rechts hält es sich noch in Grenzen. Ich befürchte nichts Gutes, gehe trotzdem weiter und erreiche kurz darauf das erste Ortsschild, auf dem Trier steht, es ist aber „nur“ der Ortsteil Quint.
Nun verläuft der Weg auf dem Kamm eines Höhenzuges, dabei komme ich an einem großen Metallkreuz vorbei, von dem man schon einmal zumindest den Ehranger Hafen und Bahnhof sehen kann. An der Heidekapelle aus dem 14. Jahrhundert führt ein Kreuzweg mit Bronzereliefs abwärts nach Trier-Ehrang. Die vielen Treppenstufen sind für meine Füße inzwischen sehr schmerzhaft. In der Nähe befindet sich die katholische Pfarrkirche St. Peter, sie ist aber nicht geöffnet. Ich laufe nun durch Ehrang, überquere die Kyll und gehe entlang der Bahntrasse.Kurz darauf biege ich rechts ab und habe einen langgezogenen Anstieg vor mir. Unmittelbar neben dem Weg ist der Lärm der Autobahn nach Luxemburg zu hören, der mich nun etwas begleiten wird. An einem Brunnen kühle ich mir den Nacken mit frischem Wasser, das tut gut. Kurze Zeit später zeigt mir ein Wegweiser an, dass es noch cirka 6,5 Kilometer bis zur Porta
Nigra seien. Ich laufe am Ehranger Schützenhaus vorbei, später durch Weideland mit grasenden Rindern. Ein Waldweg verringert allmählich die Höhe, bevor es steil über natürliche Stufen nach Biewer geht. Leider ist die St.-Jakobus-Kirche verschlossen. Eine Infotafel davor gibt Erläuterungen zum Jakobusweg und zur Kirche.
Die nächsten Kilometer sind langweilig. Es geht auf dem Moselradweg entlang. Unangenehm ist der Gestank der daneben liegenden Kläranlage. Vereinzelt überholen oder begegnen mir Radfahrer. Bald stehe ich vor der Kaiser-Wilhelm-Brücke, die ich überqueren muss. Ich begebe mich nun in Richtung Zentrum,
orientiere mich an den Hinweisen zur Touristinfo, die unmittelbar neben der Porta Nigra angesiedelt ist. Bald stehe ich tatsächlich vor dem antiken Tor. Mein erstes Ziel in Trier ist die Dominformation, dort bekomme ich meinen letzten Stempel für den Mosel-Camino. Gleichzeitig lasse ich mir schon den ersten Stempel für den Jakobsweg Trier - Vézelay geben. Es ist nun meine Pflicht, dem Dom einen Besuch abzustatten. Mitten im Dom kommt ein älterer Herr zielstrebig auf mich zu und wünscht mir einen guten Camino. Ich bin überrascht und wir kommen ein wenig ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass er bereits zweimal in Santiago war und zudem aus meiner Heimat Aachen stammt. Ich setze mich nochmals auf eine Bank und lasse mal alles fallen. Ich habe es geschafft und spreche ein Dankgebet für den erfolgreichen Abschluss des Mosel-Caminos. Ich bin in Trier angekommen, ich bin stolz, ein tolles Gefühl überkommt mich. Wie muss das erst in Santiago sein? Als ich den Dom verlasse, werde ich von einer Dame angesprochen, auch sie wünscht mir alles Gute für meinen weiteren Weg. Hier in Trier kommt jetzt erstmals ein richtiges „Pilger-Feeling“ auf, hier kann die Bevölkerung wohl mit den Pilgerzeichen etwas anfangen und würdigt deren Träger.
Ich gehe weiter zu meiner Unterkunft, dem Warsberger Hof. Bei der Rezeption bekomme ich die Info, dass ein weiterer Jakobspilger heute Nacht hier ist, ich werde ihn aber nicht zu Gesicht bekommen. Ich erhalte eine kleine Kammer unter dem Dach, das gefällt mir so. Zuerst melde ich mich bei meiner Frau und befreie dabei meine Füße von Schuhen und Socken. Unter den Ballen lächeln mich zwei hübsche Blasen an, prima. Nach dem Duschen und der Kleiderwäsche besorge ich mir in der ältesten Apotheke Deutschlands Compeed-Pflaster, das ich natürlich nicht im Gepäck dabei habe. Ich hoffe, dass ich damit morgen einigermaßen laufen kann. Anschließend nehme ich im Hof auf der Terrasse Platz und bestelle mir neben einem alkoholfreien Weizenbier ein Rahmsüppchen von Wiesenkräutern mit Croutons sowie Gnocchi goldgelb in Olivenöl gebraten mit Cherrytomaten, Salbei und frisch gehobeltem Grana Padano. Das Essen schmeckt prima und ist richtig heiß. Ich sitze unter einem Kirschbaum, der hin und wieder auch einmal eine überreife Frucht abwirft, in Greifhöhe sind leider keine mehr vorhanden. Gegen 21.30 Uhr genehmige ich mir noch ein Eis, das allerdings nach dem Essen etwas zu groß ausfällt. Danach mache ich mich fertig für die Nacht. Ich behandele meine Füße und bin gespannt auf morgen. Gelernt habe ich bereits jetzt schon, bei hohen Temperaturen nicht mehr so lange Strecken zurück zu legen, die Füße werden es mir wohl danken. Aber ich glaube auch, es gut, dass ich diese Erfahrungen hier gemacht habe, es wird mir hoffentlich nicht noch einmal passieren.











