Unterwegs auf Jakobswegen in Deutschland

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Start ...auf dem Eifel-Camino Von Namedy nach Mendig (24. August 2009)

Von Namedy nach Mendig (24. August 2009)

Drei Wochen nach meinem Urlaub hat es mich wieder nach draußen gezogen, eine weitere Etappe auf einem einheimischen Jakobsweg sollte in Angriff genommen werden. Erstmals verlasse ich dabei die gerade Linie in Richtung Santiago und begebe mich auf den Eifel-Camino, der durch die Matthias-Bruderschaft Mayen im vergangenen Jahr von Namedy zum Heunenhof hinter Monreal markiert wurde. Mein Weg führt heute von Namedy über die Abtei Maria Laach nach Mendig.

Mit der Bahn fahre ich früh am Morgen von Koblenz nach Namedy und beginne kurz vor acht Uhr meinen Marsch. Zunächst gehe ich in die Ortsmitte, dort erreiche ich die Hauptstraße, biege dort aber in entgegen gesetzter Richtung nach Norden ab. Nach wenigen Schritten erreiche ich Burg Namedy, deren älteste Teile bis in das 14. Jahrhundert zurückreichen. Im vergangenen Jahrhundert ging das inzwischen zum Schloss erweiterte Anwesen in den Besitz des Hauses Hohenzollern über, seit 1988 finden dort regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt. Vor einigen Wochen hatte ich die Gelegenheit bei einer dienstlichen Veranstaltung auch die Innenräume zu bewundern, die sehr geschmackvoll im Stile der vergangenen Epochen, zum Teil aber auch recht modern, eingerichtet sind.

Namedy: das spätgotische Wasserschloss.
Nun beginnt in Richtung Süden der eigentliche Camino, gerade durch das Zentrum des Andernacher Stadtteiles hindurch. Am Rande sind zahlreiche Wegmarkierungen angebracht, die übliche gelbe Muschel auf blauem Grund. Jedoch birgt die Markierung des Eifel-Camino einige weitere Besonderheiten. Hin und wieder findet man am Wegesrand Basaltstelen, in die in Wanderrichtung gelbe Muscheln eingemeißelt sind. An besonderen Plätzen befinden sich zusätzlich Informationsstelen. Hier erhält man neben allgemeinen Informationen zum Jakobsweg auch nützliche Hinweise zu Gebäuden, Ansiedlungen oder Ereignissen. Diese machen den Eifel-Camino zu etwas einzigartigem. Dazu gibt es noch einen eigens herausgegebenen Pilgerausweis und die mit einem einheitlichen Design, aber örtlich unterschiedlichen Motiven versehenen wunderschönen Pilgerstempel. Da in Namedy die Stempelstelle nur unregelmäßig geöffnet hat, hatte ich mir diesen bereits bei einer ersten Erkundung besorgt.

Basaltstelen mit Jakobsmuscheln weisen den Weg. Ich folge nun dem Fahrradweg, der mich neben dem Rhein, der Bahntrasse und unter dem Überflieger der Bundesstraße 9 nach Andernach bringt. Leider hat man hier keinen Ausblick auf die jüngste Attraktion der Stadt, den Kaltwasser-Geysir, da das Gelände von Wald umgeben ist. Ab dem Erlebniszentrum in der Stadt kann man aber mit einem Schiff zum Geysir fahren, um die 50 bis 60 Meter hohe Wasserfontäne aus nächster Nähe zu beobachten. Kurz darauf befinde ich mich direkt am Rheinufer in einer Parkanlage, die Sonne entfaltet nun ihre ganze Kraft. Zu meiner Linken liegt der „Alte Krahnen“, der im Jahre 1561 in Betrieb genommen wurde. Nicht weit davon verlasse ich die Rheinanlage durch eine schmale Gasse, der Pilgerweg führt hier am rückwärtigen Bereich einer Hotelküche vorbei, der neben Abfallbehältern und entsprechenden Gerüchen kein gutes Bild abgibt.

Es gilt nun eine Kreuzung am „Runden Turm“ zu überqueren, einige hundert Meter der Hauptstraße zu folgen, bevor sich vor mir die Liebfrauenkirche (auch Mariendom genannt) auftürmt. Die Kirche ist noch verschlossen, sodass ich mir zuerst im gegenüber liegenden Pfarramt einen weiteren Stempel geben lasse. Nun ist auch die Kirche geöffnet und ich nutze die Gelegenheit, sie von innen zu besichtigen. Die dreischiffige Emporenbasilika wurde bis etwa 1220 vollendet, im Laufe der Zeit aber immer wieder zum Teil zerstört und neu errichtet und erweitert. Beeindruckend sind vor allem im Chor die farbenprächtigen Darstellungen. Nun geht es weiter entlang der Breiten Straße, an einer Baustelle ist der Weg nicht klar erkennbar und ich laufe zunächst in die falsche Richtung ins Zentrum. Ich bemerke aber schnell meinen Irrtum, drehe um und bin wieder in der richtigen Spur. Über den Schillerring und die Stadionstraße verlasse ich Andernach, ich passiere hier das Stadion sowie das Freischwimmbad und einige Tennisplätze. Nachdem ich die Kreisstraße 47 unterquert habe, stehe ich auf freiem Feld mit Blick auf Weißenthurm und die Neuwieder Rheinbrücke.

Hinweistafeln befinden sich an den Sehenswürdigkeiten.Endlich habe ich die Stadt hinter mir gelassen, es ist durch den Straßenverkehr laut und hat bisher mit besinnlichem Pilgern nicht viel zu tun. Vor mir tut sich jetzt wenigstens die Natur auf, ich laufe entlang dem Flüsschen Nette zwischen Maisfeldern, soweit das Auge reicht. Was bleibt, sind die ständigen Geräusche der Fahrzeuge auf der nahe verlaufenden Bundesstraße 9. Schon bald taucht vor mir das nächste Zwischenziel Miesenheim auf. Die dortige katholische Pfarrkirche St. Kastor ist verschlossen, also trotte ich nur eine Ecke weiter zu einer Metzgerei, in der ich neben einem weiteren Pilgerstempel auch meine Mittagsverpflegung einkaufe. Kurz vor Plaidt werde ich durch eine Informationsstele auf eine Wegvariante aufmerksam, die nach Saffig und der dortigen barocken Pfarrkirche St. Cäcilia führen soll. Ich folge den Wegzeichen, passiere das Freischwimmbad direkt an der Nette und gelange zum Informationszentrum des Vulkanparks, der Rauschermühle. Entweder habe ich unterwegs eine Markierung verpasst oder der Weg nach Saffig ist gar nicht beschildert. Hinter der Rauschermühle wurden an einem naturbelassenen, romantischen Abschnitt der Nette zahlreiche Informationstafeln zum Vulkanismus angebracht, die ich aber aus Zeitgründen ignorieren muss. Über einen Ententeich gelange ich in die Plaidter Mühlenstraße, an der die katholische Pfarrkirche St. Willibrord liegt. Die gotische Kirche mit ihrem Flügelaltar erinnert mich sehr an meine frühere Pfarrkirche in Bad Ems. Ich verweile einige Minuten und komme zum ersten Mal heute ein wenig zur Ruhe, kann meine Gedanken ein wenig sammeln.

Wilde Natur im Vulkanpark bei Plaidt.Ich hole mir im Gemeindebüro einen weiteren Stempel für den Pilgerpass und sehe nun zu, dass ich das cirka sechs Kilometer entfernte Kruft vor zwölf Uhr erreiche, um auch dort noch im Rathaus jemanden anzutreffen. Da sich nun in unmittelbarer Nähe des Weges die Autobahn 61 zu mir gesellt, steigt auch der Lärmpegel wieder an. Es ist also nicht wichtig für mich, ruhigen Schrittes dem Ziel näher zu kommen, ich lege also ein etwas schnelleres Tempo vor. Ich liege auch ganz gut in der Zeit, und habe am Ortseingang von Kruft eigentlich noch ausreichend davon. Aber wieder einmal laufe ich einen Umweg, weil ich eine Abzweigung nicht erkannt habe. So kommt es wie es kommen musste, ich stehe fünf Minuten nach zwölf vor dem verschlossenen Rathaus. Jetzt heißt es zu überlegen, wie ich weiter vorgehe, komme aber bald zu dem Schluss, jetzt eine Mittagsrast einzulegen und die in Miesenheim gekauften Frikadellenbrötchen zu vertilgen. Zugleich befreie ich meine Füße von den neuen Wanderstiefeln. Am linken Schienbein habe ich eine Druckstelle, die leicht schmerzt. Wahrscheinlich habe ich den Schuh nicht gut genug geschnürt. Nach der Mahlzeit schaue ich mir noch die über dem Rathaus gelegene katholische Pfarrkirche St. Dionysius an, deren barocker Altar und Helligkeit mich in den Bann zieht. Auch hier verweile ich einige Minuten, um noch einmal etwas Ruhe in mich zu bringen. Es ist noch eine gute viertel Stunde, bis das Gemeindebüro öffnet, sodass ich auf einer Bank Platz nehme und meinem Pilgerstab mit dem Taschenmesser zu Leibe rücke. Ich habe mir unterwegs überlegt, eine Kerbe für einhundert Kilometer Pilgerweg in den Stab zu schnitzen.

Schattenspiel in der Nette.Pünktlich um dreizehn Uhr erhalte ich meinen vierten Stempel und begebe mich wieder auf Wanderschaft. In Kruft sehe ich keine weiteren Wegweiser, gelange aber über die Hochstraße und Große Gasse an die Kreuzung zur Bundesstraße 256. Hier entdecke ich ein Hinweisschild zum weiteren Verlauf des Eifel-Camino. Nach links führt der reguläre Weg, nach rechts die Variante über die Abtei Maria Laach, die ich für mich heute wähle. Eine Jakobsmuschel führt mich in die Waldstraße, und es sollte für lange Zeit auch die letzte gewesen sein. Ich gehe über die Pellenzstraße und den Alliger Weg durch ein Industriegebiet, muss mich ab jetzt mittels meiner Wanderkarte orientieren. Rund einen Kilometer laufe ich durch abgeerntete Felder, ein Traktor wirbelt Staub auf, rechts daneben verläuft die laute Autobahn 48 nach Trier. Und dann habe ich erstmals Waldboden unter den Füssen (die paar Meter Feldweg vor Miesenheim zähle ich gar nicht mit), ansonsten hatten meine Sohlen nur mit Asphalt Bekanntschaft gemacht. Noch besser, dass es nun durch kühlenden Wald geht, die Hitze wird allmählich unerträglich und meine Wasservorräte gehen auch allmählich zu Ende. Es sind zwar jetzt auch ein paar Höhenmeter zu überwinden, aber das unter angenehmen Rahmenbedingungen. Nur ein paar Schritte vor mir blicke ich in die Augen eines Fuchses. Irgendwie scheint ihm diese Begegnung nicht zu behagen, er dreht sich um und verschwindet im Dickicht. Ich bewege mich nun am Rande des Krufter Ofens, einem Vulkanschlackekegel. Hier sollen Mineraliensammler reiche Beute machen können.

Kruft: die katholische Pfarrkirche St. Dionysius.Hohlwege kennzeichnen den nächsten Streckenabschnitt, wohl vor Urzeiten entstanden durch Lavaströme. Ich trete aus einem solchen Hohlweg heraus und habe eine wunderbare Aussicht auf den tiefblauen Laacher See, auf dem sich vereinzelt Segelboote tummeln. Am Horizont erblicke ich auch die Türme der Abteikirche. Ich freue mich, bald ein weiteres Zwischenziel zu erreichen und leere meine letzte Wasserflasche in einem Zug. Erst jetzt bemerke ich die Stille am Waldrand, keine Autos und keine Abgase, so macht Pilgern richtig Spaß. Ich beschleunige meinen Schritt etwas und stehe bald auf dem Klostergelände. Dort wird gerade kräftig gebaut, die Buchhandlung erhält ein modernes Aussehen und ist derzeit im Empfangsgebäude gegenüber untergebracht. Dort erhalte ich auch meinen letzten Stempel für den heutigen Tag. Natürlich lassen ich es mir nicht nehmen, noch der Abteikirche einen Besuch abzustatten. Leider ist das Photographieren dort nicht erwünscht und ich respektiere dies natürlich. In der Krypta lasse ich mich für eine kurze Zeit nieder und resümiere schon einmal den bisherigen Verlauf des Tages. Wieder draußen mache ich zur Erinnerung noch ein Selbstportrait von mir vor der Kirche. Dann ist es Zeit, etwas zu trinken, die Gelegenheit habe ich an einem Kiosk am gut besetzten Klosterparkplatz. Eine Flasche Radler ist in einem Zug geleert, dazu kaufe ich mir noch eine Flasche Cola.

Maria Laach: die romanische Abteikirche.Meine Druckstelle am linken Schienbein meldet sich auch wieder, obwohl ich den Schuh besser gebunden habe. Also mache ich mich wieder auf, um noch die letzten Kilometer bis nach Mendig zu absolvieren. Kurz hinter dem Kloster treffe ich auch wieder auf die langersehnte Jakobsmuschel. Der Weg führt mich durch ein kühles Laubwaldstück und vorbei am Naturfreundehaus bis zur Autobahnausfahrt Mendig. Mir fällt sofort die Geräuschkulisse der Autobahn auf, jetzt wird es wieder unangenehm. Inzwischen habe ich festgestellt, dass der gerade zurückgelegte Wegabschnitt auch der Zubringer nach Maria Laach ist, kleine Pfeile auf den Wegzeichen in beiden Richtungen sprechen eine klare Sprache. Jedoch finde ich nicht den Zubringer aus Kruft, das ist mir aber jetzt auch egal. Ich laufe nun parallel zu einer stark befahrenen Bundesstraße auf einem einspurigen Weg, der aber zum Glück bald einen Knick nach rechts macht und mich auf eine etwas höhere Ebene bringt. Am Ende der Straße wird gerade ein junger Autofahrer von der Polizei überprüft. Dort stoße ich auf einen Kreisverkehr und folge der Muschel. An einem Verkehrsschild ist ein Wegweiser zur Jakobsherberge angebracht, der durch einen Aufkleber fast unleserlich gemacht wurde. Nun laufe ich weiter geradeaus und suche wieder nach Muscheln. Am der Einfahrt in die Straße „In den Mühlwiesen“ finde ich auch eine, und in dieser Straße soll auch die Pilgerherberge sein. Etwa einen halben Kilometer dauert es noch, bis ich vor einem Tor zu einem größeren Hof stehe. Darin befindet sich rechter Hand die Pilgerherberge, die geschmackvoll gestaltet ist. Vor der in Erdfarben gehaltenen Herberge ist eine mannshohe Jakobusfigur platziert. Neben der Tür weist ein Schild die Entfernung nach Santiago de Compostela aus, nämlich 2408 Kilometer. Leider habe ich keine Möglichkeit, mir die Herberge aich von innen anzuschauen, da ich niemanden antreffe und auch keinen Hinweis vorfinde. Gleichzeitig habe ich heute keine Möglichkeit, mir einen Pilgerstempel geben zu lassen.

Mendig: die Pilgerherberge "In den Mühlwiesen". So beende ich die heutige Pilgeretappe und folge wiederum den Wegweisern, die mich zuerst zur Pfarrkirche St. Genovefa in Obermendig führen, diese jedoch wie schon so oft, nicht geöffnet ist. Nach meinen Unterlagen sollte ich im Pfarramt der katholischen Gemeinde St. Cyriakus noch einen Pilgerstempel erhalten. An einer Tankstelle kaufe ich mir eine neue Flasche mit einem kühlen Getränk, das tut jetzt gut. Nach einem kurzen Besuch des zugänglichen Teils der Kirche finde ich auch das Pfarramt. Dort wird mir aber freundlich erläutert, dass es den Stempel nur im Gemeindebüro gibt. Auf dem Weg zum Rathaus werde ich noch von einer Gruppe Jugendlicher angepöbelt, ich lasse sie unbeachtet stehen. Am Rathaus selbst stelle ich fest, dass dieses leider seit fünf Minuten geschlossen hat. Bereits zum zweiten Mal erreiche ich eine Stempelstelle nur einige Minuten zu spät. Ich marschiere daher gezielt zu einem Supermarkt, um noch ein letztes Mal Flüssigkeit aufzunehmen. Ich soll im Laufe der heutigen Etappe rund sechs Liter hinuntergespült haben, was bei einer Temperatur von über dreißig Grad normal sein dürfte. Und wenn ich bedenke, dass ich am Bahnhof rund 39 Kilometer hinter mich gebracht habe, ist das schon eine tolle Leistung. In dem Moment, als ich den Bahnsteig betrete, fährt gerade ein Zug ein. Ich frage einen jungen Mann, ob der Zug nach Andernach fährt und schon bin ich drin. Zum Glück kann man an einem Automaten im Zug ein Ticket lösen. Nur fünfzehn Minuten später steige ich in Andernach aus und wechsele den Bahnsteig. Mein Zug nach Koblenz, auf den ich sowieso eine halbe Stunde warten muss, wird zusätzlich zehn Minuten Verspätung haben. Und in Koblenz habe ich noch, wie fast immer, den Berg nach Hause zu erklimmen.

Zusammenfassung: Man sollte auf keinen Fall eine solche Mammutetappe, wie ich sie heute gepilgert bin, an einem Stück gehen. Der Eifel-Camino selbst ist für mich persönlich nicht gerade so attraktiv, wie zum Beispiel an Lahn und Mosel. Die Wege sind überwiegend asphaltiert und befinden sich fast immer in Hörweite einer Bundesstraße oder Autobahn. Der Lärmpegel wird bewusst wahrgenommen, man findet selten Ruhe, um einmal abzuschalten und in sich zu gehen. Dafür haben sich die Verantwortlichen mit der Gestaltung des Weges durch zahlreichen Stelen und Stempel viel Mühe gemacht. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Wegvarianten auch wirklich beschildert sind. Am 20. September bietet die Matthias-Bruderschaft Mayen einen Pilgertag an, dann wird auf dem Abschnitt Mendig – Monreal gepilgert. Ich werde dabei sein.