Von Pont-á-Mousson nach Dieulouard (18. Juni 2011)
Nach dem Frühstück checken wir im Hotel aus und begeben uns direkt zum Bahnhof. Der liegt nur rund fünfhundert Meter von unserer Unterkunft entfernt. Wir müssen nicht lange warten bis unser Zug nach Pont-á-Mousson einfährt. Nach einer Viertelstunde erreichen wir bereits unser Ziel. Durch meine etwas länger gewordene gestrige Etappe stehen für heute nur elf Kilometer an. Auf dieser Strecke möchte Jörg testen, ob seine Füße nach einem Tag Pause wieder belastbar sind. Zunächst bringen wir unser Gepäck in das für diese Nacht ausgewählte Enzo Hotel, das cirka zwanzig Minuten vom Bahnhof entfernt auf der anderen Moselseite liegt. Unterwegs holen wir uns im Touristoffice einen Stempel für den Pilgerausweis. Eigentlich sind wir viel zu früh im Hotel, bekommen aber nach einer kurzen Wartepause trotzdem unseren Schlüssel. Die Rezeption befindet sich unmittelbar im zugehörigen Restaurant, das mit Formel 1-Utensilien ausgestattet ist. Blickfang ist dabei der Bolide und der Rennanzug von Adrian Sutil aus der vergangenen Saison.
Aufgrund der kurzen Strecke verzichten wir auf unser vollständiges Gepäck. Ich verstaue alles Notwendige in meinem Rucksack und dann geht es los. Wir laufen durch quer durch die Stadt bis zum Bahnhof und überqueren die Bahntrasse. Zwei Ecken weiter biegen wir nach links ab in Richtung Monteauville. Hinter der Kirche führt der beschilderte Fernwanderweg Metz – Nancy leicht bergauf und dann in ein Waldgebiet hinein. Drei Kilometer weiter kommen wir nach Jezainville, das wir durchqueren. Erneut geht es aufwärts. Nach kurzer Zeit gesellt sich ein kleiner Hund zu uns und begleitet uns und ein wenig. Dann beginnt es zu regnen. Wir stellen uns hinter einen größeren Busch, der uns etwas von der Feuchtigkeit abschirmt, und ziehen die Ponchos über. Eigentlich wollen wir warten, bis es wieder aufhört, aber danach sieht es nicht aus. Also setzen wir uns wieder in Bewegung, es geht leicht aufwärts in einen Wald hinein. An einem Wasserbehälter lesen wir interessiert einige Informationstafeln zum Naturschutzgebiet „Pelouse calcaire de Pontances“. Der Regen hat jetzt auch aufgehört und wir verpacken unsere Ponchos im Rucksack.
Es dauert nicht mehr lange und wir erreichen die ersten Häuser von Dieulouard. Es geht immer weiter abwärts und schließlich stehen wir vor einer mittelalterlichen Burganlage, in die zwischenzeitlich weitere Häuser integriert wurden. Auf der anderen Straßenseite befindet sich die Kirche und wir können erkennen, dass die Portale offen stehen. Also schauen wir uns die Kirche an. Eigentlich wollten wir in Dieulouard übernachten, aber das Hotel hatte wegen einer Hochzeit keine Kapazitäten mehr. Die Kirche ist wohl auch wegen dieser Hochzeit festlich bereits geschmückt. Besonders fallen zwei Fliegerbomben, befestigt an zwei Säulen, auf. Ein Schild gibt auch die Erklärung dafür: die beiden Bomben wurden im ersten Weltkrieg auf die Kirche abgeworfen, explodierten aber zum Glück nicht. Als Dank und zur Mahnung sind sie deshalb ausgestellt worden. Wir folgen nun den Schildern zum Bahnhof und prüfen dort, wann der nächste Zug nach Pont-á-Mousson zurückfährt. Das wäre genau in vier Minuten, da schaffen wir es nicht mehr Tickets zu kaufen. Wir entschließen uns, zum Bahnsteig zu gehen, da sehen wir auch schon den Zug einfahren, jetzt heißt es beeilen. Wir schaffen es gerade so, noch einzusteigen und melden uns sofort beim Zugbegleiter, der von zwei Bewaffneten bewacht wird. Wir können gerade noch ein Ticket kaufen, da müssen wir auch schon den Zug verlassen.
Im Bahnhof schlage ich Jörg vor, unsere diesjährige Tour abzubrechen und zwei Tage früher nach Hause zu fahren. Jörg ist damit sofort einverstanden, denn er würde auf den verbleibenden Etappen mit knapp 55 Kilometern neben Schmerzen keinen Spaß an der Sache haben. Wir wenden uns an den Mitarbeiter der französischen Bahn am Schalter und tragen ihm unser Anliegen vor. Da es schwierig wird, den komplexen Sachverhalt auf Französisch zu erzählen, frage ich nach der Begrüßung einfach mal nach, ob er auch Englisch könne. Das funktioniert dann auch sehr gut. Er tauscht uns die bereits im Vorfeld im Internet gekauften Rückfahrtickets um und sucht uns eine passende Verbindung aus. Wir sind überrascht über diese Kundenfreundlichkeit und bedanken uns bei ihm ganz herzlich. Zurück im Hotel duschen wir zunächst und pflegen unsere Füße. Ich storniere mit Jörgs iPhone das Hotelzimmer in Toul, die Jugendherberge in Nancy werde ich morgen Nachmittag von zu Hause aus informieren. Da wir nun hungrig sind, gehen wir für einen kleinen Imbiss nur ein paar Schritte weiter zu McDonalds. Danach ruhen wir uns noch etwas aus. Leider finden wir am Abend kein Restaurant, dass uns zusagt. So bleibt uns nichts anderes übrig, als in einem noch geöffneten Supermarkt Baguette, Käse, Salami und Bier einzukaufen und später im Zimmer zu verspeisen.
19.06. Juni 2011: Pont-á-Mousson
Heute stehen wir etwas später auf, denn unser Zug fährt erst um 12.30 Uhr. So können wir uns recht viel Zeit lassen. Zuerst genießen wir das reichhaltige Frühstücksbüffet. Danach ziehen wir uns noch einmal in unser Zimmer zurück und beginnen, unsere Rücksäcke zu packen. Nach dem Auschecken verlassen wir gegen 10:00 Uhr das Hotel. Wir machen noch einen Abstecher zur ehemaligen Prämonstatenserabtei und besichten im Anschluss daran noch die Kirche Saint Martin. Auf dem Weg zum Bahnhof zweigen wir nochmals ab und besuchen die Kirche Saint Laurent. Dort schauen wir aber nur kurz hinein, denn gleich schient hier eine Kommunionfeier zu beginnen und da möchten wir nicht stören. Eine ältere Dame spricht mich an und fragt ob wir Pilger seine und wohin denn der Weg gehen würde. Ich versuche es ihr in meinem schlechten Französisch zu erklären. Sie scheint mit meiner Antwort zufrieden zu sein. Die letzte Zeit bis zur planmäßigen Anfahrt des Zuges verbringen wir im Bahnhof, denn es beginnt heftig zu regnen. Die Wartezeit können wir allerdings verkürzen, denn es fährt bereits deutlich früher ein Zug bis nach Luxemburg. Dort haben wir etwas Aufenthalt, den wir in einer Cafébar mit einem Sandwich und einem Heißgetränk verbringen. Um 16.30 Uhr steigen wir in Koblenz aus dem Zug und werden auf dem Bahnsteig von meiner Frau Susanne erwartet. Jörg bekommt bei uns zu Hause noch einen Kaffee und fährt dann auch in Richtung Heimat. Für das kommende Jahr haben wir vereinbart, unsere Pilgertour durch Frankreich fortzusetzen.











