Von Kédange-sur-Canner nach Metz (16. Juni 2011)
Es ist gerade einmal 6:45 Uhr. Jörg und ich sind bereits wach. Also machen wir uns fertig. Es schadet nichts, wenn wir etwas früher losgehen, denn bis Metz ist es eine etwas längere Etappe. Das Frühstück ist nicht zu beanstanden. Es gibt Brötchen, Croissants, Kaffee, Milch, Tee und den üblichen Belag. Wir genießen das Frühstück und lassen uns Zeit. Anschließend verpacken wir unsere Sachen, Jörg kümmert sich noch um seine Füße. Wir hatten uns schon überlegt, ob wir die heutige Strecke etwas abkürzen sollten. Wir wären dann mit einer Eisenbahn, die nur noch für Touristen fährt, von Hombourg nach Vigy gefahren. Leider geht das nur an Sonn- und Feiertagen. Derweil checke ich uns aus und bekomme auch hier einen tollen Jakobsweg-Stempel. Bevor wir Kédange-sur-Canner verlassen, schauen wir uns die gegenüber dem Hotel liegende Kirche ab. Die war gestern Abend bereits verschlossen. Nach ein paar besinnlichen Minuten verlassen wir den Ort endgültig. Heute soll es gemäß Wettervorhersage nicht so toll werden. Das bekommen wir an der nächsten Ecke auch schon zu spüren, denn es beginnt leicht zu regnen. Wir sind aber zum Glück gut ausgerüstet und so kommen unsere Ponchos zu ihrem ersten Einsatz. Wir werden sie auf unserem Weg nach und durch Hombourg eine gute Stunde lang über unsere Körper und Rucksäcke tragen.
Wir laufen wieder einmal an einer Landstraße entlang, heute ist aber kaum Verkehr. Wir laufen zunächst durch Budange, einem kleinen Dorf und sehen bald vor uns das Örtchen Aboncourt. Wir passieren dabei einige Viehweiden und entdecken auf einer solchen einen sehr stämmigen Bullen, der kampflustig in unsere Richtung starrt. Jörg und ich sind beide der Meinung, dass man diesem besser nur in einem Restaurant über den Weg laufen sollte. Unser Weg schlängelt sich durch das weite Land eines Bauernhofes, teilweise entlang der Trasse der Touristenbahn. In Saint Hubert machen wir eine erste kleine Pause und ruhen uns auf einer Bank am Ortseingang aus. Nun erwartet uns wieder die Landstraße auf einer Strecke von vier Kilometern bis Vigy. Dort versuchen wir in einer Apotheke ein Desinfizierungsmittel für Jörgs Blasen zu bekommen. Die Verständigung mit dem Apotheker ist ein etwas schwierig. Schließlich bekommt Jörg eine Creme für seine Wunden. Zwei Ecken weiter betreten wir den Dorfplatz und schauen uns die Kirche an. Gegenüber entdecken wir eine Brasserie und bestellen uns jeder ein Sandwich und ein Bier zur Stärkung. Nach einer guten halben Stunde Pause machen wir uns wieder auf den Weg. Jörg wechselt kurz darauf noch einmal seine Socken, bevor die Landstraße wieder unsere Begleiterin wird. Auf Höhe eines riesigen Umspannwerkes beginnt es wieder zu regnen und wir werfen die Ponchos wieder über. Dieses Mal werden wir für fast neunzig Minuten tragen.
Unter der Autobahnunterführung stellen wir uns kurz unter, merken aber bald, dass es wenig Sinn hat, auf das Ende des Regens zu warten. Wir durchqueren drei weitere kleine Dörfer und stoßen erneut auf eine sehr stark befahrene Landstraße. Diese müssen wir auch noch steil bergauf erklimmen, entgegenkommende Autos scheinen gerne den Schwung mitzunehmen und uns ein wenig zu ärgern. Wir erreichen aber schon nach zwei Kilometern die ersten Vororte von Metz und gehen nur noch abwärts. Das ist für Jörg allerdings nicht besonders erfreulich, seine Blasen machen ihm ganz schön zu schaffen. Da unserer Führer nun ein wenig missverständlich zu lesen ist, landen wir mitten in einem Kreisverkehr und können nur Dank Jörgs iPhone wieder auf den richtigen Weg zurückfinden. Nach einer unendlich lang wirkenden Schleife, vorbei am Fort Bellecroix und der Porte des Allemands, erreichen wir in der Nähe des Hauptbahnhofes unser Hotel.
Das Hotel Foch sieht von außen ganz nett aus. Die Rezeption befindet sich im ersten Stock, ab dort funktioniert auch erst der Lift. Wir werden von einem jungen Mann begrüßt, die weitere Unterhaltung findet überwiegend auf Englisch statt. Nachdem alle Formalitäten erledigt sind, nutzen wir den Lift und fahren in die dritte Etage. Unser Zimmer liegt etwas abseits von der Hauptstraße, ist aber durch ein zweites Fenster ganz gut lärmisoliert. Das Zimmer selbst hätte eine Renovierung dringend nötig. Die Einrichtung ist sehr spärlich, teilweise löst sich die altmodische Tapete an den Nähten und im Bad sind einige Fugen mit einem dunklen Schimmer versehen. Hier sollen wir also zwei Nächte aushalten. Auf dem Doppelbett befindet sich nur eine Decke, sodass wir uns spontan entschließen, nachts unsere Schlafsäcke zu nutzen. Wir gehen schnell duschen, lassen aber die große Wäsche heute sein. Ich ziehe nur meine Socken durch das Waschbecken. Große Wäsche wird erst in Pont-á-Mousson gemacht. Jörg muss mit Entsetzen feststellen, dass er sich zwei weitere Blasen eingehandelt hat, die er nun behandelt.
An der Rezeption haben wir einen Tipp zum Einkaufen bekommen. Ein Geschäft liegt nur cirka zweihundert Meter entfernt auf dem Weg zum Bahnhof. Dort kaufen wir schon einmal Wasser für die nächsten Tage und einige Dosen Cola für eine schnelle Erfrischung ein. Auf dem Rückweg zum Hotel kommen wir an einem Restaurant vorbei, dass uns von außen her zusagt. Hier wollen wir gleich etwas essen gehen. Wir bringen also schnell unsere Einkäufe ins Zimmer und ziehen gleich wieder los. Eine Bedienung weist uns einen gar nicht mal so schlechten Platz zu und bringt uns die Speisekarte, zunächst eine französische. Sie bemerkt wohl, dass wir uns etwas schwer tun und bringt uns noch eine in Englisch. Wir wählen ein Menu für zwanzig Euro, bestehend aus einem Salat mit Schinken, Ei und Käse, einem ordentlichen Stück gebratenem Rinderfilet (ob das unser Bulle von heute Morgen ist?) und als Dessert gibt es eine große Schale Mousse au Chocolat. Dabei genießen wir einen lecken Bordeau. Auf dem Weg zum Hotel überlegt sich Jörg, ob er morgen auf die Tour verzichten soll, um sich ein wenig zu schonen.











