Unterwegs auf Jakobswegen in Deutschland

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Start ...auf dem Camino von Trier nach Vézelay Von Schengen nach Kédange-sur-Canner (15. Juni 2011)

Von Schengen nach Kédange-sur-Canner (15. Juni 2011)

Wir haben heute Nacht sehr sauerstoffreich geschlafen, denn wir ließen die Tür zur Terrasse geöffnet. Trotzdem  haben wir nicht sehr gut geschlafen und sind schon recht früh wach. Vielleicht liegt das auch am Vollmond, den man gestern noch gut beobachten konnte. Wir packen jedenfalls unsere Sachen zusammen, die gestern gewaschene Bekleidung ist schon wieder trocken. Eine Ausnahme bilden meine Socken, die klemme ich an der Außenseite des Rucksackes in einer Schlaufe fest. Da können sie dann unterwegs trocknen. Zunächst steht das Frühstück an. Das Büffet ist nicht sonderlich groß, aber deckt doch alle Bedürfnisse ab. Es gibt zwar keine Brötchen, sondern Brot, aber das finde ich gar nicht mal so dramatisch. Nach dem Frühstück checken wir schon einmal aus und überraschenderweise bekommen wir an der Rezeption sogar einen Stempel mit Jakobswegmotiv. Wir gehen noch einmal auf unser Zimmer, ziehen die Wanderstiefel an und schultern die Rücksäcke. Um 9:15 Uhr stehen wir vor der Jugendherberge zum Abmarsch bereit.

Blick auf Sierck-les-BainsEs geht zunächst durch Remerschen, dann an der Landstraße entlang, bis wir die ersten Häuser von Schengen erreichen. Dort verlassen wir die gut befahrene Straße und weichen auf eine ruhigere Seitenstraße aus, die uns unmittelbar bis zur Moselbrücke bringt. Dort begeben wir uns auf den Uferweg und verlassen Schengen auf einem Fußweg seitlich der Hauptstraße. Nur wenig später sehen wir in einiger Entfernung das Grenzschild zu Frankreich. Wir biegen aber nach links in die Weinberge ab und gewinnen allmählich an Höhe. Schließlich pilgern wir hangparallel um den Stromberg herum und haben einen schönen Blick auf die andere Uferseite nach Sierck-les-Bains mit seiner mittelalterlichen Burganlage. Wir wechseln aber erst bei Contz-les-Bains auf die Seite, überqueren dort die Mosel. In Sierck-les-Bains machen wir am Ufer eine erste Trinkpause und holen uns danach beim am Weg liegenden Postamt einen Stempel für den Pilgerausweis. Der Pilgerführer hat uns schon vorgewarnt, es folgt ein längerer Anstieg mit dem steilsten Stück bis Vézelay. Beinahe wären wir auch noch falsch abgebogen, wenn uns nicht ein aufmerksamer Anwohner zu sich gerufen hätte. Zunächst spricht er französisch mit uns, bemerkt unsere Herkunft und wechselt in unsere Sprache, die er perfekt beherrscht. Er erläutert uns, wie wir gehen müssen, und anhand seiner Beschreibung fällt es uns auch sehr leicht. Am Steilstück packt Jörg seine Stöcke aus und schiebt sich Stück für Stück nach oben. Wir sind froh, als wir diese Passage hinter uns haben. Und oben angekommen haben wir fast freien Blick auf die vier Kühltürme der Atomanlage Cattenom. Deren Anblick werden wir noch eine lange Zeit ertragen müssen. Es wird einem dabei richtig mulmig aufgrund der jüngsten Ereignisse.

Jörg kurz vor Kerling-lès-SierckDer nächste Abschnitt ist geprägt von Wiesen und Feldern, am Wegrand stehen Obstbäume. Bald sind wir wieder in bewohntem Areal, wir streifen Freching und gehen dann durch Kerling-lès-Sierck. Hinter diesem Örtchen haben wir für die nächsten sieben Kilometer das Vergnügen, einer etwas welligen aber kaum genutzten Straße zu folgen. An einem schönen Plätzchen am Straßenrand machen wir eine weitere Pause und essen und trinken etwas. Jörg klagt über ein leichtes Brennen an der Fußsohle. Am Ende der Straße erreichen wir Lémestroff, wo wir uns eine kleine Kirche ansehen. Nun überwinden wir einen kleineren Hügel, immer noch an der Landstraße entlang, und sind dann in Budling. Dahinter erklimmen wir über einen ausgewaschenen Waldweg den Kappesberg und stehen dann vor einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der zu der Anlage „Ouvrage du Hackenberg“ gehört. Etwas weiter noch treffen wir auf einen weiteren Bunker, den man sogar besichtigen kann. Dafür haben wir aber keine Zeit und möchten bald unsere Unterkunft erreichen. Trotzdem machen wir eine kurze Trinkpause.

Ouvrage de HackenbergEs geht nun leicht abwärts bis zur Hauptstraße, dort ist ein amerikanischer Panzer aufgestellt. Wir wenden uns nach rechts und dürfen weiter an einer Landstraße bleiben. Diese wird aber leider etwas mehr benutzt, und Geschwindigkeitsbegrenzungen kennen die Franzosen wohl auch keine. Da kann einem Angst und Bange werden. Wir durchqueren das Dorf Helling und können bald darauf etwas unterhalb von unserem Standort die nächste Straße sehen, auf die wir einbiegen müssen. Wir entscheiden uns aber, eine Abkürzung zu nehmen und gehen quer über ein Feld. Dabei müssen wir zweimal unter Stacheldrahtzaun durchkriechen. Zum Glück ist der unterste Draht so hoch angebracht, dass wir relativ problemlos durchkommen. Plötzlich entdecken wir am Ende des eingezäunten Geländes eine Gruppe Rinder, mit denen wir keine Bekanntschaft machen möchten. Da bleibt uns nur die sofortige Flucht an die Straße. Wir sind froh, als wir am Sportplatz das Ortseingangsschild von Kédange-sur-Canner passieren und danach relativ schnell vor unserem Hotel stehen. Übrigens: es waren doch nur 32 Kilometer.

Waschtag in Kédange-sur-CannerDie Rezeption ist verwaist, ein Schild bittet uns jedoch, im anliegenden Restaurant nach den Schlüsseln zu fragen. Den bekommen wir dort von der Eigentümerin, die recht schnell auf die deutsche Sprache wechselt. Bevor wir das Zimmer beziehen, bestellen wir noch je ein großes und ein kleines Bier. Recht schnell ist Luft in den Gläsern und unser erster Durst gestillt. Jörg hat in der Zwischenzeit einen kleinen Laden entdeckt, in dem wir uns mit neuen Getränken eindecken wollen. Das funktioniert auch noch gerade so, denn wir ergattern die letzten vier Flaschen Wasser. Beim näheren Betrachten der weiteren Regale (die überwiegend leer sind), gibt es neben Nahrungsmitteln auch Bekleidung und ähnliches zu kaufen, eine seltsame Zusammenstellung. Kurz darauf sind wir endlich in unserem Zimmer. Es läuft das gleiche Prozedere wie gestern ab: Ausrüstung versorgen, duschen, waschen, Wäsche aufhängen. Jörg hat sich tatsächlich unter einem Fuß eine blutige Blase gelaufen, das sieht nicht gut aus. Er versorgt sie einigermaßen und klebt sich ein Compeed-Pflaster darauf. Hoffentlich geht das gut. Unser Abendessen nehmen wir im Restaurant ein, das recht gut besucht ist. Wir entscheiden uns für das Büffet, das an diesem Abend angeboten wird. Es gibt Kartoffel- und Nudelsalate, Bratenscheiben, Schinken, Käse, Rote Beete, Thunfisch und Garnelen. Ich glaube, ich habe sogar einiges vergessen. Wir füllen uns den Teller zweimal gut und sind bald satt. In Gedanken bewegen wir uns schon auf unser Zimmer zu, da bringt uns die Bedienung noch je einen Teller mit einem Berg Nudeln und einer großen Portion Lachs. Damit hätten wir jetzt nicht gerechnet und schaffen es gerade noch so, den leckeren Fisch zu vertilgen. Zum Abschluss gibt es sogar noch ein Eis.