Von Merzkirchen nach Schengen (14. Juni 2011)
Nun ist der Tag endlich gekommen, an dem ich meinen Jakobsweg in Richtung Santiago fortsetzen möchte. Diese Mal gehe ich nicht alleine, Jörg aus dem Odenwald wird mich begleiten. Wir kennen uns von den Pilgerrüstzeiten der evangelischen Militärseelsorge Koblenz und Mainz, sind dabei schon dreimal dabei gewesen. Im vergangenen Jahr hatten wir ausgemacht, den Weg nach Frankreich hinein gemeinsam zu gehen. Jörg kommt gegen 9:15 Uhr in Koblenz an und kurz darauf gehen wir zum Bahnhof. Wir fahren mit dem Zug über Trier nach Saarburg, von dort mit dem Bus nach Merzkirchen. In Saarburg müssen wir in einen Bus umsteigen. Nach einigem Herumfragen, wo denn die betreffende Haltestelle sei, finden wir uns am Schulzentrum ein und warten. Wir warten vergebens, denn es kommt kein Bus. Jörg ruft die auf dem Fahrplan angegebene Nummer an. Hier wird uns sehr nett geholfen. Der Bus hätte wegen einer Baustelle keine Möglichkeit gehabt, die Haltestelle anzufahren. Man würde uns aber einen Kleinbus vorbeischicken, der uns dann zu unserem Ziel bringe. So geschah es dann auch. Nur wenige Minuten später sitzen wir in einem Neunsitzer und werden nach Merzkirchen gefahren.
Wir werden in unmittelbarer Nähe der Pilgerherberge abgesetzt und begeben uns sofort auf den Weg. Es liegen rund 20 Kilometer vor uns. Zunächst begeben wir uns hinter dem Ort nach rechts auf einen Feldweg, der uns bald auf die historische Römerstraße führt. Hier geht es unendlich lange nur geradeaus. Kurz vor der Schutzhütte am Ehringer Berg machen wir an einer Sitzgruppe eine erste Trinkpause und trennen unsere Hosenbeine ab. Es ist inzwischen sehr sonnig und warm geworden. Wir überschreiten auf dem nächsten Abschnitt bis zum Örtchen Sinz die Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Inzwischen verfolgt uns über unseren Köpfen hartnäckig eine dunkle Wolke. Wir müssen hier zudem einen Höhenunterschied von achtzig Metern überwinden, die ersten Schweißperlen laufen ins Gesicht. Oben angelangt werden wir links um einen Wald geleitet und folgen anschließend dem Saarland-Radweg nach Süden. Unterwegs erfreue ich mich immer wieder an den Früchten der zahlreichen Kirschbäumen, die wir passieren. Schließlich durchlaufen wir eine erste Ortschaft, nämlich Borg. Hier hätten wir die Möglichkeit gehabt, eine Römervilla zu besichtigen, doch zusätzliche vier Kilometer wollen wir uns nicht antun. So belassen wir es bei dem Versuch, die am Weg gelegene katholische Kirche St. Johannis der Täufer zu besichtigen, landen aber leider vor einem verschlossenen Tor.
Hinter Borg haben wir wieder eine unendliche Gerade vor uns, an deren Ende wir die Autobahn 8 überqueren. Über eine kaum befahrene Straße erreichen wir zunächst den Pillingerhof, dann die Bundesstraße 407. Hier biegen wir nach rechts ab und laufen über einen Fahrradweg in die Weinberge. Die Wegweiser lassen uns darin eine Schleife laufen, dabei kommen wir an einer kleinen Kapelle sowie einigen Kreuzwegstationen vorbei. Schließlich sind wir in Sehndorf, einem Ortsteil von Perl. Wir passieren eine ganz neue deutsch-luxemburgische Schule, an deren Umgebung noch fleißig gearbeitet wird. Mitten in Perl werden wir von einer alten Dame angesprochen, die gerade ein Haus mit einer Jakobsmuschel verlässt. Sie fragt uns nach unserem Weg und wo wir denn untergebracht seien. Wir vermuten, dass sie selbst Zimmer an Pilger vermietet und verärgert ist, weil wir bereits in der Jugendherberge in Remerschen gebucht haben. Dann meint sie noch, bis Kédange-sur-Canner seien es 37 Kilometer, also viel zu weit, und das Hotel dort würde auch keine Pilger aufnehmen. Jörg und ich schauen uns nur verdutzt an und sehen zu, dass wir weiter kommen. Wir möchten nicht von der schlechten Stimmung der Dame ergriffen werden.
Wir gönnen uns in einem Café noch ein Eis und marschieren geradewegs auf die Moselbrücke zu. Dort erwartet uns ein blaues Schild, das uns darauf hinweist, dass wir bereits in Luxemburg sind. Wir überqueren die Brücke und gehen weiter am Flussufer entlang. Es sind noch ein paar Meter bis zur Jugendherberge. Der Uferweg nimmt kurz darauf einen anderen Verlauf wie die Straße, doch wir beschließen, ihm weiter zu folgen. Das wiederum hat zur Folge, dass wir einen Umweg von gut zwei Kilometern in Kauf nehmen (den wir aber erst später zur Kenntnis nehmen werden). Wir orientieren uns an einem nicht ganz so deutlichen Stadtplan und laufen zunächst an einer Landstraße weiter und biegen in die nächste Einfahrt nach links ein. Hier scheinen wir auf dem richtigen Weg zu sein, wir passieren unter Begleitung einiger weniger Regentropfen einen Badesee, einen Fußballplatz, eine recht neu aussehende Schule und dann am Ende der Straße die Jugendherberge.
Wir werden von einer jungen Frau empfangen und füllen zunächst einen Gästebogen aus. Nach einigen Erläuterungen zum Haus und zu den Essenszeiten begeben wir uns zu unserem Zimmer. Wir sind überrascht, ein recht großer Raum mit hoher Decke, alles ist mit Holz verkleidet. Eine Tür führt nach draußen auf eine großzügige Terrasse. Dann beginnen wir, unsere Ausrüstung zu pflegen, Wäsche zu waschen und draußen aufzuhängen. Erst dann nutzen auch wir die Dusche und machen uns für das Abendessen fertig. Da wir großen Durst verspüren, bestellen wir zwei Flaschen Bier, die relativ schnell ausgetrunken sind. Wir müssen uns unbedingt angewöhnen, unterwegs mehr zu trinken. Nach einem leckeren Essen (Käsetoast, Königin-Pastete, Hühnerfrikassee, Möhren und Reis, als Dessert Erdbeeren) machen wir noch einen kurzen Spaziergang durch Remerschen. Um 21:45 Uhr liegen wir im Bett.










